Pomologie

28. April 2010

Die Pomologie ist die Lehre von den Obstarten und -sorten und umfaßt deren Bestimmung, Beschreibung, Empfehlung und Erhaltung.

Obstbäume wurden schon in der Antike beschrieben: Cato d. Ä. (234-149 v. Chr.) erwähnt in „De agri cultura“ bereits verschiedene Apfel- und Birnensorten, Plinius d. Ä. (23-79 n. Chr.) führt in seiner „Naturgeschichte“ 25 Apfel-, 36 Birnen- und 8 Kirschsorten an. Die Pflanzen- und Kräuterbücher des 15. und 16. Jhdt. behandelten am Rande auch die Obstbäume. Eigenständige pomologische Werke finden sich erst im 17. und vor allem ab dem 18. Jhdt. Als Begründer der Pomologie wird vielfach der Niederländer Johann H. Knoop genannt, der 1758 unter dem Titel „Pomologie“ ein Werk über “Arten und Sorten der Früchte” herausgab, in welchem er sie beschrieb und in natürlicher Größe und Farbe abbildete.

Das Zeitalter der klassischen Pomologie
Ab dem 18. Jhdt., vor allem aber im 19. Jhdt. bis zum frühen 20. Jhdt. entstanden mit der Zunahme des Interesses an der Züchtung neuer Sorten, umfangreiche Pomologien. Diese Bücher waren meist aufwendig gestaltet und kunstvoll bebilderte. Die Pomologen beschrieben Obstsorten, widmeten sich der Systematik und Namensgebung, beschäftigten sich mit der Verbesserung und Auswahl und züchteten selbst Sorten.
Zentren der Pomologie waren Deutschland (mit Christ, Dittrich, Diel, Oberdieck, Lucas, Jahn) und Frankreich (mit Leroy, Mas, Poiteau), aber auch kleine Länder verfügten über namhafte Pomologen wie Belgien (Hardenpont, Morren, Esperen, van Mons, Bivort) oder die Schweiz (Pfau-Schellenberg, Kessler, Zschokke). Einige dieser Namen finde sich in heutigen Sortenbezeichnungen wieder.

Pomologische Arbeit heute
Heute umfaßt die Tätigkeit der PomologInnen die Sammlung und Erhaltung bedrohter Sorten, die Neubeschreibung alter Sorten mit zeitgemäßen Standards, sowie die Beschreibung unbekannter oder bisher nicht beschriebener Sorten und deren Eigenschaften. Zunehmend werden in der Sortenforschung moderne Methoden angewendet, wie z.B. genetische Analysen um die Verwandtschaft von Sorten abzuklären, weiters werden Laboruntersuchungen durchgeführt um Inhaltsstoffe zu analysieren.
Am wichtigsten für die Sortenbeschreibung sind nach wie vor die klassischen Methoden, bei denen mit den menschlichen Sinnen die Fruchtmerkmale detailliert beschrieben werden. Moderne Methoden können in keiner Weise die PomologInnen ersetzen, die über Erfahrungen verfügen die nur in jahrelanger praktischer Arbeit mit den Obstsorten gesammelt werden können, und ausgezeichnete Geschmacks- und Geruchssinne und ein fast fotografisches Gedächtnis erfordern.

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